Umfrage zeigt - Viele Gesundheitsämter nutzen Luca-Daten gar nicht
Stand: 15.08.2021 | Lesedauer: 2 Minuten

Wie hier in Berlin verlangen viele Gastronomie-Anbieter Nachweise über Impfung oder Test - etwa eine Registrierung bei der Luca-App
Quelle: picture alliance / SVEN SIMON
Die Bundesländer zahlen pro Jahr geschätzte 20 Millionen Euro für die Nutzung der App Luca.   

Der Nutzen der digitalen Kontaktnachverfolgung bleibt indes überschaubar: Viele Gesundheitsämter rufen die erhobenen Daten gar nicht ab.

Die Kontaktnachverfolgungs-App Luca wird von zahlreichen Gesundheitsämtern in Deutschland kritisch gesehen. Die Experten sind unzufrieden mit der App, nur wenige beschreiben sie als Arbeitserleichterung, ergab eine Umfrage des Magazins „Spiegel“. Die Redaktion hat dazu mehr als 200 der knapp 400 Gesundheitsämter in Deutschland kontaktiert und nach ihren Erfahrungen mit Luca befragt.
Von 114 Ämtern mit Luca-Anschluss hat die Hälfte noch nie Daten abgefragt. 86 Ämter antworteten mit detaillierteren Angaben, wie oft sie Luca-Daten seit Inbetriebnahme genutzt haben. In insgesamt rund 130 Fällen haben sie Luca-Daten von Restaurants, Friseuren oder ähnlichen Stellen angefordert, rund 60-mal hätten die Daten geholfen, Infektionsketten zu verfolgen.
Im selben Zeitraum zählten die entsprechenden Landkreise ungefähr 130.000 Neuinfektionen; teilweise waren Restaurants und Cafés noch geschlossen.
„Erheblicher Mehraufwand“ wird geklagt

Als Grund für die geringen Nutzungszahlen verweisen einige Gesundheitsämter auf das niedrige Infektionsgeschehen in ihrer Region, andere nannten Datenschutzbedenken. Mehrfach berichten Ämter, dass Daten von Luca immer wieder unbrauchbar seien oder zu erheblichem Mehraufwand führen würden
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Aus dem Main-Taunus-Kreis heißt es beispielsweise, der Nutzen stehe „in keinem Verhältnis zum Aufwand für Einführung und Betrieb der App“.
Unternehmen wehrt sich gegen Kritik
Das Unternehmen weist Kritik zurück. „Wir sehen, dass gerade in den letzten drei Wochen immer mehr Infektionen mit Luca-Daten nachverfolgt wurden“, sagt Firmenchef Patrick Hennig. Allein in den vergangenen zwei Wochen hätten Gesundheitsämter im Zusammenhang mit 474 Infektionsfällen eine Freigabe der Kontaktdaten von 1202 Locations angefragt.
Einem Bericht des Portals „Netzpolitik“ zufolge entstehen den Bundesländern teils hohe Kosten durch die kostenpflichtige Nutzung der App. Dem Bericht zufolge summieren sich die Ausgaben derzeit auf knapp 20 Millionen Euro pro Jahr.
„Die höchsten Gebühren zahlte demnach Bayern mit 5,5 Millionen Euro für eine Jahreslizenz. Mecklenburg-Vorpommern, das als erstes Bundesland einen Vertrag mit dem App-Betreiber Culture4life abgeschlossen hatte, zahlte hingegen nur 440.000 Euro. Berlin ließ sich die Lizenz eine Million Euro kosten“, zitiert das Portal „Golem.de“ aus dem Bericht.